Volatile Zeiten
voraus

Es scheint alles perfekt. Die Weltwirtschaft wächst synchron, die Unternehmensgewinne steigen, die Arbeitsmärkte verbessern sich und die Inflation scheint kein Problem zu sein. Die US-Zentralbank normalisiert ihre Geldpolitik, hebt die Zinsen an und kürzt ihre Bilanz.

Der ehemalige FED-Chef Bernanke avisierte sie vor bald vier Jahren und löste mit seinem diesbezüglichen Kommentar einen Kurssturz aus. Seine Nachfolgerin Yellen setzte die Normalisierung sehr vorsichtig um. Überraschte der letzte US-Arbeitsmarktbericht den Finanzmarkt wirklich und löste dieser plötzlich Inflationserwartungen aus?

Eine andere Interpretation ist, dass die US-Steuerreform zwar langfristig positiv ist, aber kurzfristig das bereits hohe Haushaltdefizit weiter anwachsen lässt. Die protektionistischen Massnahmen der USA zeigen, dass Trumps Wahlkampf-Rhetorik sich manifestiert. Zusätzlich verlieren die USA gute Freunde, die ihre Bestände in amerikanischen Staatsanleihen reduzieren.

Die Finanzierungskosten steigen also nicht nur wegen der guten Wirtschaft, sondern auch wegen der schlechteren Schuldnerqualität der USA. Hierfür spricht der seit einigen Wochen fallende Anleihenmarkt mit gleichzeitig fallendem USD.  Die Unsicherheit, wie stark sich die Finanzierungskosten verteuern, führte zu einer noch nie da gewesenen Beschleunigung der Volatilität. Die damit zusammenhängende Kettenreaktion bei involvierten Marktteilnehmern zeigt, wie sensibel und komplex die Folgen einer unachtsamen Politik sind.

Der Schaden ist bereits angerichtet. Die vehemente Korrektur und der seit einigen Tagen hohe Volatilitätsindex weist auf die schwierigen Zeiten hin, die eine überschuldete Weltwirtschaft mit steigenden Finanzierungskosten hat. So lange das Weltwirtschaftswachstum hoch bleibt, werden sich die Chancen und Risiken im Fokus der Investoren abwechseln und ein schwieriges Anlageumfeld bieten.

VON PETER LENGSFELD*

Peter Lengsfeld
Direktor
Vermögensverwalter