Herausforderndes
Börsenjahr 2018

Das vergangene Börsenjahr war wohl eines der schwierigsten seit der Finanzkrise. Nach einem freundlichen Start gab es im Februar schon eine erste kräftige Korrektur. Die Erholung von Ende März bis Mai liess wieder Optimismus aufkommen. Begleitet war diese Erholung ja auch von guten Wirtschafts- und Unternehmenszahlen. Ab Juni setzte dann aber ein Abwärtstrend ein, der die weltweiten Aktienmärkte Grossteils zweistellig ins Minus drückte. Nur Amerika konnte sich bis Oktober diesem Trend entziehen. Hier setzte die Korrektur im November ein und hat praktisch auch die, bis dato einzigen, Aktienmärkte mit positiver Performance bis zum Jahresende mit einem Minus abschliessen lassen.

Im vergangenen Jahr gab es praktisch keine Assetklasse, mit der man Geld verdienen konnte. In Europa, der Schweiz und Japan mit der Null-Zins-Politik. Die USA hat in mutigen Schritten die Geldmarktzinsen auf 2,25% angehoben. Der USD konnte aber nur wenig Terrain gegenüber dem EUR gutmachen. Gegenüber dem CHF blieb die US-Währung fast unverändert. Somit gab es in Europa an den Bondmärkten nur mit hohem Risiko Zinsen und in den USA korrigierten die Preise von Anleihen aufgrund der deutlichen Zinssteigerungen – ist doch die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen von 2,3 % zu Jahresbeginn auf 3,3% in der Spitze gestiegen.

Edelmetalle, speziell Gold und Silber als Absicherung bei so grossen politischen Unsicherheiten, wie wir sie im vergangenen Jahr erleben mussten, haben die Erwartungen auch nicht erfüllt. Silber korrigierte von 17 USD/oz zu Jahresbeginn auf unter 14 USD/oz im November. Gold zeigte ein ähnliches Bild und stürzte vom Top im Jänner bei 1.365 USD/oz auf 1.160 USD/oz im August und beendete das Jahr bei 1.280 USD/oz. Ein Wechselbad der Gefühle.

Überall hörte man, dass die Wirtschaft brummt. Die Unternehmensgewinne übertrafen durchwegs die Erwartungen und niemand konnte so richtig verstehen, weshalb die Märkte agierten, wie wir es erlebt haben. Geopolitisch gab es einige brisante Situationen. Ein US-Präsident, der völlig unkalkulierbar, emotionsgetrieben seinen Weg «AMERICA FIRST» umsetzte, der Nordkorea mit Krieg drohte um dann wieder freundschaftlich in Verhandlungen einzutreten und dann das Thema Nordkorea scheinbar wieder gänzlich von der Agenda zu streichen. So kam einer nach dem anderen ins Visier des Präsidenten der Wirtschaftsmacht USA. Russland, einst doch Freund, mutmasslicher Unterstützer bei den US-Wahlen, dann wieder grosser Feind mit Sanktionen bestraft. China wurde wegen dem Ungleichgewicht in der Handelsbilanz und dem Diebstahl geistigen Eigentums sowie auf Grund von Technologie-Transfers mit Zöllen bestraft und schlägt zurück. Ein Handelskrieg bricht los, der die gesamte Weltwirtschaft beeinflusst, da doch viele Volkswirtschaften von der Dynamik in China profitieren.

Der Iran wurde wieder zum Erzfeind erklärt. Es wäre ja schlecht, wenn im Nahen Osten zu viel Ruhe einkehrt, könnte man den US-Präsidenten interpretieren. Der Iran hat sich an das Atomabkommen gehalten, das bestätigen zumindest die Aufsichtsbehörden. Europa hat die Sanktionen nicht eingeführt. Europäische Unternehmen werden jetzt aber durch die USA erpresst, indem man angedroht hat, dass es Sanktionen gegen jedes Unternehmen gibt, das gegen die US Sanktionen verstösst und mit dem Iran Handel betreibt. Daraufhin sind dann als erstes gleich die Banken eingeknickt und ohne Banken geht kein Handel. In Südamerika ist die positive Stimmung von vor ein paar Jahren komplett ins Negative gekippt. Argentinien in Problemen, Brasilien in Turbulenzen, Venezuela mit einer Inflation von 1,3 Millionen % – schier unvorstellbar – auch von hier kam keine Unterstützung.

Damit es in Europa nicht zu ruhig wird, konnten sich die Briten nicht entscheiden wie der BREXIT vollzogen werden soll und somit kam auch hier, so kurz vor dem Austrittsdatum am 29. März 2019 weitere Unsicherheit auf.

Ein Umfeld, das enorme Herausforderungen an alle Teilnehmer stellte und zu einem enttäuschenden negativen Jahresergebnis führte. Insbesondere jene, die vernünftig auf Risikostreuung setzten, die Sicherheit grossschrieben, wurden am deutlichsten abgestraft.

2019 könnte besser werden, nachdem die Börsen Wirtschaftszyklen antizipieren und die negativen Erwartungen schon deutlich eingepreist sind, gehen wir vorsichtig optimistisch ans neue Jahr heran. Jetzt, wo alle Prognosen zurückgenommen werden und nur noch wenige Marktteilnehmer mit positiven Berichten aufwarten, könnte das Schlimmste überstanden sein. Allerdings sind da zu Jahresbeginn noch ein paar wichtige Fragen zu beantworten:

• Gibt es eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China?
• Gibt es einen geordneten BREXIT oder müssen wir uns auf das Chaos einstellen?
• Wann beendet die Europäische Zentralbank ihre expansive Geldpolitik?
• Wo macht Präsident Trump als nächstes eine Baustelle auf?

Es wird wieder ein spannendes, hoffentlich aber positiveres und erfreulicheres Börsenjahr als das abgelaufene Jahr.