Ist die Krise vorbei?

Blickt man auf die Börsenentwicklung im April und Mai, dann müsste man meinen es ist alles wunderbar. Ein grosser Teil der Börsenkorrektur ist aufgeholt.

Viele Marktteilnehmer reiben sich die Augen ob dieser rasanten Markterholung, spüren wir doch immer noch täglich die Folgen der Corona-Krise in Form von Sanierungsmassnahmen für Unternehmen, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Insolvenzanträge und Unsicherheit wie es weiter gehen soll. Die Weltwirtschaft ist fast stillgestanden.

Sichtlich hat die Wirtschaft den ersten Schock überwunden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach den 750 Mrd. EUR nochmals 600 Mrd. EUR locker gemacht. Somit erhalten die Euroländer und deren Unternehmen nun als Stütze 1.350.000.000.000.—EUR. Dies soll den Weg aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit ebnen.

Der Sturzflug der Wirtschaft scheint gestoppt. Aus China sehen wir Erholung. Die Produktion läuft in fast allen Ländern wieder an. Es sieht aus als ob es eine V-förmige Erholung aus der Krise gibt. Kann das gelingen? Unternehmen und Konsumenten sind verunsichert. Der Konsum könnte dadurch langsamer anlaufen als erwartet. Geschäfte, Gastronomie und Hotellerie warten auf den grossen Ansturm, der noch auf sich warten lässt.

Wie viele Unternehmen werden diese Krise nicht überleben? Wir gehen davon aus, dass wir die Hauptinsolvenzwelle erst im nächsten Jahr sehen werden. Einige bekannte Namen gingen sehr schnell unter. Es werden aber mit Sicherheit noch einige folgen.

Rekordarbeitslosigkeit wird durch Kurzarbeitszeitmodelle im Zaum gehalten. Wie viele werden von der Kurzarbeit aber in die Arbeitslosigkeit weitergehen? Sobald die Unterstützung für die Kurzarbeit ausläuft, werden wir auch hier erst verspätet die Wahrheit sehen. Eine zweite Kündigungswelle könnte folgen.

Bei aller Vorsicht, die uns die reale Wirtschaft gebietet, sehen wir erfreuliche Bewegung an den Börsen. Wir sehen natürlich den Mangel an Alternativen. Keine Zinsen und somit keine Erträge in sogenannten sicheren Anlagen. Sehr hohe Immobilienpreise, welche die Renditen aus den Objekten ebenfalls minimieren. Somit bleiben Aktien als gute Alternative, als Investition in Realwert, was wir derzeit als sehr wichtig erachten. Aktien sind allerdings unter den aktuellen Bedingungen schon sehr gut bewertet, womit Vorsicht geboten ist.

«Don’t fight the trend» ist eine alte Börsenweisheit. Wir tanzen auf dieser Party weiter mit, tanzen aber sehr nahe am Ausgang. Die nächste Korrektur könnte wieder grössere Ausmasse haben.

Ganz spannend dazu auch der Beitrag von Herrn Markus Koch in seinem Videobeitrag vom 09. Juni 2020 mit dem Titel “Gier frisst Hirn” in seiner Reihe “Opening Bell”, welchen wir hiermit den interessierten Lesern empfehlen.