Wirecard – ein Horrotrip eines DAX-Unternehmen

Wirecard war nicht in der Lage die Bilanz im normalen Zeitplan vorzulegen. Spekulationen verursachten beim Aktienkurs ungewohnte Volatilität. Eine Sonderprüfung durch KPMG testierte zwar, dass man keine Unregelmässigkeiten gefunden habe, dass aber nicht alle Fragen vorbehaltlos beantwortet werden konnten. Dies ist natürlich eine sehr unbefriedigende Situation weshalb der Kurs von 140 EUR auf unter 100 EUR stürzte. Es war ein Kampf zwischen Hedgefonds und dem CEO, da die Fonds dessen Rücktritt verlangten. Mit Shortverkäufen wurde der Aktienpreis gestürzt und der Druck auf den CEO erhöht.

Dieser Rückschlag bot sich für spekulative Engagements an, da  wir von der Annahme ausgingen, dass die testierte Bilanz wie geplant am 18. Juni 2020 vorgelegt werden kann. Es ging ja um ein DAX-Unternehmen, das höchste Regulierungsstandards erfüllen muss. Die durchschnittlichen Kursziele von 22 Analysten lagen zu diesem Zeitpunkt bei 168 EUR – immerhin von Profis analysiert und bewertet.

Am 18. Juni kam dann der Tag der bitteren Wahrheit. Keine testierte Bilanz, ein Loch in der Bilanz von 1,9 Mrd. EUR und eine Entlassungswelle des obersten Managements. Der Aktienkurs stürzte auf unter 20 EUR. Heute lesen wir einen Kommentar bei N-TV, dass selbst der Bafin-Chef Hufeld einräumt, dass es bei der Aufsicht massive Fehler gab. Das was da passierte, sei ein totales Desaster, eine Schande. Die Staatsanwaltschaft und die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin untersuchen den Fall.

Was soll man als Aktionär jetzt machen? Wir bleiben dabei und gehen davon aus, dass die Gesellschaft übernommen wird, da die Technologie gemäss Expertenkommentaren eine sehr gute sei. Es sollen verschiedene Konzerne daran interessiert sein. Experten sehen den aktuellen Preis als «Schnäppchen». Wir dürfen gespannt sein, ob eine Übernahme stattfinden wird und der Schaden für die Aktionäre ein überschaubarer sein wird.

Unglaublich, dass bei einer so etablierten Gesellschaft so etwas passieren kann und die grosse Frage bleibt: «Wie können 1,9 Milliarden EUR so einfach verschwinden?» Welche Bank nimmt eine solche Überweisung ohne genaue Dokumentation an, oder gab es dieses Geld gar nie? Für diesen Fall wären Banken und Treuhänder und Revisionsgesellschaften in die Verantwortung zu nehmen. Wie können mehrere Bilanzen von grossen internationalen Revisionsgesellschaften testiert werden, wenn so grosse Summen nur auf einer Treuhänderbestätigung vorhanden sind und bedenkenlos bilanziert werden.

Eine höchst unangenehme Situation, die noch einige auch positive Lösungen ermöglicht. Wir beobachten und berichten weiterhin sehr engmaschig.